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Nachhaltige Schnittblumen – warum regionale Sträuße die schönsten und umweltfreundlichsten sind

Klar, am nachhaltigsten sind gar keine Schnittblumen. Doch ab und zu braucht unser Herz eine kleine Freude. In deiner Vase sollten allerdings am besten nachhaltige Blumen strahlen. Warum die konventionelle Schnittblumen-Industrie so umweltschädlich ist und welche tollen Tipps die nachhaltigen Blumen-Aktivistinnen Xenia und Nadja von Mentha Piperita für uns haben.


Zum Geburtstag. Zum Jubiläum. Oder einfach, damit deine Wohnung an einem tristen Regentag ein paar Farbtupfer bekommt – Blumen machen alles ein bisschen schöner. Kein Wunder: Gibt es sogar Studien darüber, die zeigen, dass der Anblick von Blumen und ihr Duft unser Gehirn entspannen.

Doch so viel Natur, wie in Blumen nur stecken kann, so viel Leid können sie der Erde auch zufügen. Die konventionelle Blumenwirtschaft ist ein globales Problem. Oft werden Blumen in sehr trockenen Gebieten gepflanzt, zum Beispiel in Kenia. Sie verbrauchen dort Unmengen an lebenswichtigem Wasser. Pestizide und Ackergifte landen auf Monokulturen, auf denen Menschen oftmals unter unwürdigen und unterbezahlten sowie gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten müssen. Im Anschluss werden die Blumen um den halben Erdball geflogen, was große Mengen an CO2 verursacht. Sind dann Tulpen aus den anderen, nicht so weit entfernten Ländern der nachhaltige Hit? Leider geht es auch hier alles andere als blumig zu: Viele Blumen in der konventionellen Landwirtschaft werden in Gewächshäusern groß gezogen, was sehr viel Strom verbraucht und ebenfalls CO2 produziert. Also – dann ab sofort gar keine Schnittblumen mehr?


Nachhaltige Blumen von Mentha Piperita und der Slowflower-Bewegung


Immer mehr Flowerfarmer:innen und Florist:innen entscheiden sich, regional, nachhaltig und ressourcenschonend naturbelassene Blumen anzupflanzen und diese für ihre Kreationen zu verwenden. Kurze Wege, biologischer Dünger und das Wachstum unter freiem Himmel sowie ein saisonaler Anpflanzkalender machen die Slowflowers zur ersten Wahl für Menschen, die achtsam mit der Erde umgehen wollen. Wir haben Xenia und Nadja von Mentha Piperita getroffen. Die beiden bauen vor den Toren Hamburgs regional, saisonal und nachhaltig Schnittblumen an.

Sie gehören zur Slowflower-Bewegung, einem deutschlandweiten, bunten Kollektiv an Flowerfarmern, Florist:innen und Blumengärtner:innen. Auch in den USA und Kanada gibt es bereits organisierte Slowflower Bewegungen. Es lohnt sich, zu entdecken, welchen tollen Menschen in deiner Region nachhaltige Schnittblumen anbauen. Übrigens kannst du deine verwelkten Blumen auch in KALEA zu frischem Kompost verarbeiten und diesen gleich für die nächste Runde im Garten oder den Balkon verwenden.


Für KALEA beantworten Xenia und Nadja spannende Fragen rund um die regionale Blumenwirtschaft und erklären uns, welche Blumen aktuell besonders gut ausgepflanzt werden können:


Wie seid ihr auf die Idee gekommen, regionale Blumen anzupflanzen?


Xenia: Wir lieben Blumen beide seit unserer Kindheit, haben immer gerne gegärtnert und Blumen arrangiert. 2019 haben wir einen Artikel im Hygge Magazin gelesen, es ging um zwei Frauen, die in Dänemark Slowflowers anbauen. Wir waren sofort total verzaubert, haben die deutsche Slowflower Bewegung entdeckt und plötzlich war klar: Das wollen wir auch machen.


Was liebt ihr am meisten an eurer Arbeit?


Nadja: Zeit in der Natur zu verbringen, den Blumen beim Wachsen zuzusehen, selbst angebaute Blumen arrangieren zu können und vor allem: Der Austausch mit interessierten Menschen. Es ist so schön zu sehen, wie viel Resonanz die Idee der Slowflower Bewegung bekommt. Es gibt uns das Gefühl, wirklich etwas bewegen und verbessern zu können auf der Welt.

Was ist die größte Herausforderung in Sachen nachhaltige Blumenwirtschaft?

Nadja: Geduld und Vertrauen zu haben ist manchmal gar nicht so leicht. Mit Schädlingen wie z.B. Schnecken klarzukommen und Unkraut immer händisch zu entfernen. Am Ende geht es immer darum, zu akzeptieren, dass in der Natur nichts nach Plan läuft und trotzdem irgendwie perfekt ist.

Gibt es Blumen, die ich im Frühling gut auf dem eigenen Balkon oder im Garten anpflanzen kann?


Xenia: Oh ja, der späte Frühling ist der ideale Zeitpunkt dafür. Die meisten Sommerblumen sind sowieso frostempfindlich, und können erst ab Mitte Mai ausgepflanzt oder gesät werden. Für den Balkon eignen sich zum Beispiel kleine Löwenmäulchen, Kornblumen, Ringelblume und Kapuzinerkresse. Im Garten sind der Auswahl eigentlich keine Grenzen gesetzt. Im Herbst könnt ihr dann auch Tulpen- und Narzissenzwiebeln in die Erde bringen und euch damit auf den kommenden Frühling freuen.

Wie düngt ihr eure Pflanzen? Macht ihr euren Kompost vielleicht sogar selbst?

Xenia: Wir düngen mit Kompost und Kleepura, einem veganen Bio-Dünger. Sobald wir uns auf unserem neuen Feld eingelebt haben, wollen wir auf jeden Fall auch mit unserem eigenen Kompost düngen. Da wir aber große Mengen benötigen, kaufen wir auch immer zertifizierten Kompost an.


Ihr bietet eure Blumen von April bis Oktober an – was empfehlt ihr Menschen für die Wintermonate, um ein bisschen Blumenfreude Zuhause haben zu können?


Das ist einfach: Trockenblumen und getrocknete Gräser. Man kann so viele Sorten auch trockenen und dann zaubern sie einem auch im Winter ein bisschen Blumenfreude in die Wohnung. Außerdem gibt es ein paar wenige Blumen die auch im Winter und frühen Frühling blühen, zum Beispiel Lenzrosen und Blühzweige.

Danke, Xenia und Nadja, für eure Zeit und das wundervolle Interview.


Foto Credit: Xenia Bluhm & Patrick Lipke


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